Weisheit des Alterns
Beim Stöbern in den Archiven von "Karl Gantua Enterprises" habe ich einen Artikel gefunden, der zwar schon einmal in einer ähnlichen Form in einem Newsletter verbraten wurde, aber dennoch einen famosen Denkanstoss darstellt und deswegen diesmal (ausfürlichst überarbeitet versteht sich) als unser Beispiel für eine weisere Lebensführung herhalten soll:
Haben wir uns, werter Leser, in einigen der letzten Ausgaben der "Gedanken" Reihe damit auseinandergesetzt wie es um die Tier- und/oder Unterwelt des Schachverein-Universums bestellt ist, so möchte ich heute auf die Weisheiten der Senioren unserer Dimension eingehen. Lange habe ich sinniert und nachgedacht wie dies Vorhaben nun am besten in die Tat umzusetzen wäre... letztendlich habe ich mich entschlossen aus dem Märchenbuch des Opa Harap zu zitieren, da dieser wohl am meisten Lebenserfahrung vorweisen kann! So viel Wissen, soviel Weisheit und keiner soll davon profitieren können? "Nein, das darf nicht sein!" hör ich euch nun schon rufen. Recht sollt ihr behalten! Es folgt nun die Kurzgeschichte "Der kleine Bär" aus Opa Harapīs Märchenbuch:
Der kleine Bär:
Es war einmal...
ein kleiner Bär. Der war so furchtbar klein, dass kaum jemand ihn bemerkte! Dies hatte nun natürlich den (zweifelhaften?) Vorteil, dass auch Bauer Horst ihn nur sehr selten bemerkte, als er jagen ging, um sich und seine Familie durch den Winter zu bringen, nachdem ihm nach dem Akt des Schlachtens wieder einmal das selbstgezogene Fleisch ausgegangen war (näheres hierzu unter "Warum Kühe die besseren Menschen sind"). Was blieb ihm auch anderes übrig?! Die Kühe seines Hofes stellten sich ja auch wirklich als fest entschlossen dem Tod zu entgehen und sehr zähe Burschen heraus, sodass er fast nichts anderes tun konnte als sie zu zerfetzen um wenigstens die Rundfunkgebühren bezahlen zu können...
Keuchend und fluchend stapfte der Landwirt durch den Schnee, versuchte die Spuren der Wildtiere zu deuten, stolperte über einen verschneiten Ast, der frecherweise im Weg lag, was dem Ast im Prinzip ziemlich egal war, unserem Bauern aber nicht, erklomm einen verschneiten Hügel, den dies auch nicht im Geringsten interessierte, rutschte den nächsten Hang in Richtung Karpfenteich hinunter, was wiederum Horst recht egal war, aber seiner Hose nicht, da nun nass, und rappelte sich letztendlich nach allen Strapazen wieder auf um zu bemerken, dass alle Fallen, die er die Woche zuvor aufgestellt hatte, leer waren... Scheisstag also für unseren Bauern! Dies alles aber beobachtete unser kleiner knuffiger Bär, der dem Treiben nicht mehr länger zusehen konnte! Ergriffen von Mitleid und Opferbereitschaft fasste er den Entschluss sich in das Zielfeld der Flinte von Horst zu stürzen. Todesmutig nahm er Anlauf, wich dem Ast aus, der noch immer am selben Fleck lag und den das Geschen rund um seinen Baum noch immer herzlich wenig interessierte, und sprang! Er sprang weit und hoch, er sprang schnell und ohne Zögern dem Tod entgegen und erwartete den finalen Schuss! Der jedoch kam nicht.... Etwas viel Seltsameres passierte:
Wegen seiner Grösse sogar im Selbstmord arg benachteiligt, erfasste eine Windböe den Bären und wehte ihn nicht in Richtung Flintenöffnung, sondern direkt auf Bauer Horsts Schulter und in weiterer Folge purzelnd in dessen Gesicht, respektive linke Gesichtshälfte. Bauer Horst war irritiert! Stechmücken um diese Jahreszeit? (wir sehen schon, dass unser kleiner knuffig-wuschiger Selbstmordbär wirklich arg winzig war! Obwohl, fairerweise sei angemerkt, dass er in der Tat ein super flauschiges Fell besass, was ihm aber in der jetzigen Situation recht wenig zum Vorteil gereichte... es sei nur eben auch erwähnt... dem Bären zuliebe). Seine Konstruktion als Mensch verlangte nun ob einer derart gestalteten Hautirritation nach einer Reaktion, die auch in der Tat als Schlagreflex prompt folgte. "Quarglschlonzmatsch" hätte man hören können, wäre man an Ort und Stelle gewesen! Unser hungriger und nun doch schon leicht genervter Bauer betrachtete sich seine blutige Hand, wischte sich eben diese an seiner mit einem wirklich bemerkenswerten Innenfutter gefütterten Hose ab und stapfte weiter auf der Suche nach Nahrung.
...und wenn er nicht gesprungen wär, dann würde der Bär wahrscheinlich heute auch nicht mehr leben....
|
Soviel also zur Illustration und gleichzeitigen Einführung in unser heutiges Thema "Weisheiten der Senioren". Beginnen wir nun anhand obiger Kurzgeschichte eben jene aufzuarbeiten:
1)"Solang spüts eich - bis ans plärrt!"
Wir können dem Märchen entnehmen, dass der Bär nun tot ist. Gut, gestorben wär er sowieso (ob nun an Altersschwäche oder in einer Bärenfalle - das sei dahingestellt), in unserem speziellen Fall aber verendete er an einem eher ungewöhnlichen Ereignis... Umgemünzt auf den Menschen, quasi als fast perfekte bärig-humane-Metapherntransduktion, können wir festhalten:
a) wahrscheinlich spielen wir uns in der Tat so lange, bis EINES, EINER, EINE oder eben auch JENE zu schreien und/oder fluchen beginnt. Ob nun aber auch DAS EINE, DER EINE, DIE EINE oder eben auch DIEJENIGEN zu solchen Unmutsäusserungen greifen würden, das lässt sich nur sehr schwer deuten, womit wir folgerichtig weiters auch niederschreiben dürfen, dass
b) eben nicht zwingend immer JEDES, JEDER, JEDE oder eben auch GERADE JENE sich zu gurgelnden Urlauten als Mittel der Wahl entscheiden.
2)"I hobs jo glei gsogt!"
Hinlänglich bekannt dürfte der Inhalt dieses Auspruches sein, weswegen ich mich auch nicht mehr lang mit der Abhandlung der Thematik beschäftigen möchten, sondern gleich zur Interpretation schreiten werde:
Arg zu wünschen übrig lässt Studienobjekt "2" an Informationsgehalt:
a) "Was" wurde schon im voraus angemerkt?
b) "Wann" genau wurde es festgehalten?
c) "Warum" wurde es damals festgestellt?
d) "Weshalb" erst jetzt, da ja offensichtlich etwas schon geschehen ist, mit so fundiertem Wissen herausrücken?
-- Wir sehen:
Schwerlich ist obigem Auspruch Glauben zu schenken. Eine ausführliche Besprechung des Tatbestandes wär von Nöten, was sich aber mit zunehmendem Alter als recht schwierig herausstellt, da Gebiss und Kiefergelenk schon als sehr abgenützte Strukturen imponieren und eine gepflegte Sprachformulierung diesbezüglich nur mehr unzureichend gelingt. Eher würde man vernehmen: "I honsch jo gei gschot!" was man auch als "Ich und Hans haben gleich geschossen!" interpretieren kann.
Eieiei... es ist schon ein Dilemma! Da aber nun dieser Auspruch als von den Vorfahren überliefert gilt, muss man ihn auch respektieren! Die einzig mögliche Erklärung ist jene, dass Opa und Hans in der Tat gleich geschossen haben als der Sturm auf eine Festung im 30jährigen Krieg stattfand, sie aber schon im Vorfeld gegenüber dem Kompaniekommandanten anmerkten, dass sie den Angriff für wenig erfolgsversprechend halten. Wir haben es hier also mit einer nur schwer zu trennenden Problematik zu tun, die ineinander verwoben ein hochkomplexes Konstrukt darstellt. In sich verdreht und sich "in den eigenen Schwanz beissend" kann und muss man es einfach akzeptieren als ein Paradoxon der Beweisführung! Versuch es, werter Leser; du wirst feststellen, dass sich neue Gedankenwelten erschliessen werden!
3)"Na, i woas ned!"
In klarem Deutsch am ehesten mit "Nein, ich habe das nicht gemacht!" zu übersetzen, verbirgt sich auch in Beispiel "3" ein nicht zu kleines Problem:
Ist die Übersetzung an sich schon richtig?
Nun... vollkommen berechtigte Frage, werter Leser. "Na, i woas ned!" ist durchaus auch glaubwürdig mit:
-- "Nein, ich weiss es nicht!"
-- "Nein, ich glaube nicht , dass das funktionieren wird!"
zu interpretieren. Das Umfeld des Gespräches würde wahrscheinlich hier weiterhelfen, worauf wir uns aber hier nicht verlassen dürfen, da es uns ja nicht im Geringsten bekannt!
Wir folgern richtigerweise, dass die einzig zulässige Interpretation ist:
"Nein, ich weiss beim besten Willen nicht mehr wie ich es damals angestellt habe und kann auch nicht mit 100%iger Sicherheit behaupten, dass es auch heute noch funktionieren wird!"
Das Problem der Sprachformulierung im Alter (in Punkt 2 schon beschrieben) miteinbezogen ergibt sich ein neues Phänomen: "Na i wosch ned!" - "Nein, ich werde nicht waschen!"
-- "Was" wird gewaschen? Die Wäsche? Die Frau? Der Mann? Das Kind? Der Hund? Jaja... wir sehen...es ist ein Problem...
Ein wirklich bemerkensweter Lösungsansatz kam schliesslich von einem Mitarbeiter aus den Reihen der Tiroler Aussenstellen von "Gantua Enterprises": Hiermit sei recht herzlich Prof. Dr. rer. met. true Matthias "Pepi the Bladewarrior" Dungeonslayer gedankt für den äusserst hilfreichen Hinweis auf die Conclusio unseres Paradoxons!
Dr. Dungeonslayer, in seiner Funktion als Doktor der echten Metallogie, nämlich war es, der als erster die Verbindung zwischen dem echten, einzig wahrem und absolut truem Metall und der Sprachformulierung herstellte:
Um es zu verstehen aber noch kurz ein Einschub aus Dr. Dungeonslayers Werk "Metallogie - hart aber brotlos!":
Demnach gilt nämlich:
Qualität einer True Metal Band =
(Länge aller Killernieten aneinandergereiht) x (Kaliber der Patronengurte) x (Quadratzentimeter der nackten Weiberhaut auf der Bühne + 1)
Unsere Studienobjekte (d.h. hier unsere alten Mitbürger) sind, wie schon erwähnt, sehr alt. Seeeehr sehr alt sogar... woraus sich einge unverrückbar richtige Schlussfolgerungen ableiten lassen - hier erklärt am Beispiel von Manowar, deren Protagonisten doch schon allesamt den Zenit ihrer Jugend überschritten haben und folgerichtig nicht mehr als "jung und dynamisch" eingestuft werden können!
Zitat "Metallogie - Hart aber brotlos!" Kapitel 2, Seite 123, Zeile 45:
"Nachdem Manowar keine Weiber (Anm.d.Verf. - hier: Frauen) auf der Bühne haben sind sie per definitionem ja auf die Killernieten und Patronengurte angewiesen. Die Musiker aber zählen alle schon mehr als 40 Lenze und müssen somit auf ihr Kreuz achten, weswegen sie nur kleinkalibrige Gürtel und entschärfte Killernieten tragen können, was sie leider hinter
jungen absolut dynamischen Combos zurückbleiben lässt, denen ihr Jugendlicher Leichtsinn schon das eine oder andere Auge gekostet hat.
Andererseits gilt durch eben diese Formel aber auch Manowar als der Gold(Gott)standard, der quasi die 100% darstellt; und da bei diesen noch einen "Altersbonus" (!!!) hinzuaddiert werden muss..."
-- Wir sehen: "Altersbonus" und nicht "abgenütztes Kiefergelenk" ist das Wort der Stunde!
Und eben dieser Umstand erlaubt es uns nun auch zu einem wunderschönen Schlussgedanken zu kommen:
Ob nun nuschelnd oder pfauchend,
nach dem Essen oft auch rauchend,
wollen sie doch nur erzählen,
dass im Alter nicht das Gehen,
nicht das Sitzen oder Stehen
ist das grundlegende Problem!
Vielmehr wollen sie uns sagen,
dass der schwere Nietengurt
sie unbarmherzig niederzieht!
Dass sie sich immer so arg plagen
und am Ende nur der Lasten wegen
man spät des Nachts vorm Bette kniet!
Tut mir bitte den Gefallen und bedenkt, dass unsere geschätzten alten Mitmenschen noch immer voller RockīnīRoll stecken! Bedeckt sie nicht immer mit Kettenhemden und glaubt mir:
Ein 90 jähriger Greis weiss beim besten Willen nicht, was eine Luftgitarre ist! Geschweige denn wie man sie richtig spielt!
-- Das alles trägt bloss dazu bei, dass die Kluft der Verständigungsproblematik, der Abgrund der Formulierungsschwierigkeiten nur noch grösser wird!
Bleibt nur mehr zu sagen:
"Nieten bis das Rückrat bricht - sind für alte Menschen nicht!"
Bis zu den nächsten Gedanken!
Euer lieber Herr Karl!
P.S.: Liebesbriefe und Mitleidsbekundungen bitte wie immer an karl.gantua@schachverein.com
|