"Das kleine böse Imperfekt"

Seit langem schon entzweit das Imperfekt den Menschen. Auf der einen Seite die Zukunft, auf der anderen das Perfekte. Beide ergänzen sich perfekt. Perfekte Dinge finden sich eben nicht in der Gegenwart. Und schon wieder spaziert das kleine böse Imperfekt durch gerade Gedankengänge. Listig, hämisch grinsend und flink. Gefährlich nah am Gefüge der Zeit.
Rastlos, Ruhelos, Ratlos. Auch selbst.
Das war die Einleitung. Das war Imperfekt. Das war nicht Perfekt.

Ohne Rast reitet es. Auf der Satzstellung. Verb fehlt. Jetzt in diesem Satz. Im Zwielicht der Jetztzeit kämpft es und erringt Siege um Siege. Ohne Sinn. Vergilbt alles. Selbst eingeübte Griffe beim Duschen (vor allem Gel-Auftragen) sind im nächsten Moment schon wieder gewesen Das war jetzt Perfekt. Das war Imperfekt.

Und wie macht es das? Wie geht es dabei vor? Hat es Prinzipien? Auf all diese Fragen gibt es nur eine Antwort: immer gleich. Es stopft alles, wirklich alles (sogar den Teil des Satzes, der bis hierher geht oder besser ging) in einen Sack und nimmt ihn mit. Denn: Unser kleines böses Imperfekt ist hungrig und hat viel zu tun.
Fressen-Vergessen. Nur Begriffsgedanken bleiben noch. Vorläufig. Und auch von diesen nicht alle: Ellipsoide doppelnasale Grußworte sind sofort weg. Zurecht!
Einzig und allein "Werdendes" bleibt von ihm verschont. Aber sobald Teile vom Werdendem abtrennbar sind, stürzt es sich ruckzuck auf diese. Bloß solange das Werdende noch im Begriff ist, fortzufahren, kann es ihm nichts anhaben.

Den einzigen Bezug zur Gegenwart stellt der Erzähler [wohlgemerkt der abstrakte, mit Sicherheit nicht der konkrete] durch die Definition unseres kleinen Bösen dar:

  Im|per|fekt [auch: ...fäkt; lat.] das; -s, -e: 1. (ohne Plural) Zeitform, mit der ein
  verbales Geschehen od. Sein aus der Sicht des Sprechers als
  [unabgeschlossene, "unvollendete"] Vergangenheit charakterisiert wird. 2.
  Verbform des Imperfekts (1), Präteritum (z. B. rauchte, fuhr).

Aber wenden wir uns nun dem Praktischem zu. Und hier gibt es natürlich nur den einen uns interessierenden Anwendungsfall: Die Musik. Und als klitzekleiner Teil davon: Den Rhythmus
Ja, auch hier spielt das kleine böse Imperfekt hinein. (Bildlich und im Fußballerjargon: Lochpaß)



Zwar haben Töne auch selbst (isoliert betrachtet) ihre Berechtigung in der Musik. Doch erst der Bezug zu anderen macht den einzelnen interessant. Erst so entstehen Melodien und Rhythmen.

Und weil der Mensch nur befähigt ist, diesen Bezug mittels der Zeit herzustellen, setzen Melodie und Rhythmus zwingend das Imperfekte voraus.

 

Deshalb:

Alles verschlingt er,
Der imperfekte Sack
Herausschau'n nur tun Töne,
aber eben nur im Pack.

 

Weitere praktische Anwendungsfälle des oben Besprochenen, Einwendungen, Ergänzungen oder sonstige Einmaligkeiten, finden bei
franz.piration@schachverein.com immer gehör.